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| Ein
sonderbarer Zug von Bauern bewegte sich am ersten
Maimorgen über dem Dorfe Sarnen den steilen Weg
hinauf zum Burghügel des verhassten Vogtes. Es war
Zinstag. Der Beringer von Landenberg forderte von
seinen Untertanen die Abgaben. Weit offen standen
seine leeren Keller und Speicher. Wehe den Bauern,
wenn bis zum Abend die Räume nicht bis obenauf gefüllt
waren ! Der Landenberger war grausam und schrecklich
in seinem Zorn. Still, mit verbissenen Mienen,
stampften die Obwaldner den Burgweg empor. Ab und zu
stockte einer, warf den gebeugten Kopf zurück und
schleuderte seine Last zu Boden. " Der gelbe
Teufel da oben soll sein Futter selber tragen !"
Zuhinterst trieben Buben und Mädchen die Tiere den
Hangweg hinauf, Ziegen, Kälber, Schweine und Lämmer,
welche die Kinder mit Tränen im Stalle losgebunden
hatten. Auch ein altes Weiblein humpelte mit. Es war
die Witwe des Karli Josef. Eine Lawine hatte im Winter
ihren Mann verschüttet, und nun musste sie das beste
Gewand des Toten dem Vogt abgeben. Die ersten Bauern
hatten die Burg erreicht. Stolz reckten sich die Türme
zum Himmel empor. Einige Männer wussten aber auch,
wie tief hinein in den Fels sie sich senkten. Sie
kannten die wahnsinnigen Stille dieser finstern
Verliese, in denen nur die Ketten der Gefangenen
rasselten. Die Männer knirschten mit den Zähnen.
Mehr wagten sie nicht. Und sie zuckten zusammen, als
sich oben in der Burg ein Fensterladen öffnete. Wenig
später knarrte das Burgtor, und die Untertanen
konnten in den weiten Hof eintreten. Bewaffnete
Knechte behielten die Bauern scharf im Auge. Wenn
einer sich mucksen sollte, würde er es mit ihnen zu
tun bekommen. Ein buntgekleideter Knecht stand vor dem
grossen Tisch. Hinter dem Ohr trug er einen Federkiel,
und mit herrischer Miene musterte er die pflichtigen
Bauern. Er entrollte ein Stück Pergament, auf dem in
langen Kolonnen Namen und Zahlen aufgezeichnet waren.
"Nicklaus Amstalden!" Der schmächtige
Schreiberknecht hatte sich auf einen hohen Stuhl an
den Tisch gesetzt und wiederholte nochmals spitz und
ungeduldig: "Niklaus Amstalden ist aufgerufen.
Kommt der Mann, oder muss ich ihn holen lassen ?"
Ein grosser, hagerer Bauer bahnte sich den Weg aus den
Reihen der Wartenden. "Zwei Mutt Kernen
!"(Altes Getreidemass) krächzte der
Schreiberling. |
| Der
Bauer schwang seinen Sack von der Schulter und warf
ihn unwillig auf den Tisch. Der Schreiber schaute auf.
"He Mann, was ist das für eine grobe Art ? Ihr
seid hier nicht im Kuhstall. Dort gibt's ein dunkles
Loch, wenn es Euch an der sonne zu wohl ist."
Dabei wies der Schreiber mit seinem dürren
Zeigefinger zum Turm hinüber. Der Bauer knurrte einen
Fluch vor sich hin, der in seinem dichten Bart
erstickte. Trotzig wandte er sich vom Tische ab. Der
Schreiber rief die Wache: "Öffnet den Sack
!" Wie ein braves Hündchen eilte der Knecht
herbei und hielt dem mürrischen Schreiber den geöffneten
Sack hin. Dieser fuhr mit seiner weissen Hand durch
die goldenen Körner, schüttete ein paar Handvoll
davon auf den Tisch heraus und schoss wie ein kleiner
Teufel hoch: |
| "Hundeware
ist's! Weiss der Amstalden noch nicht, dass er dem
Vogt gute Frucht schuldet ?" Niklaus Amstalden
stand schon ganz hinten bei der Tür. Jetzt hob er den
Kopf. Nochmals schob er seine Leute beiseite und
pflanzte sich breitbeinig am Tisch auf. " Was ist
nicht recht an diesem Korn ?" fragte er
beleidigt. "Korn soll das sein - Korn ? Mist ist
das, aber keine Brotfrucht für den Herrn Vogt.
Schafft mit gutes Korn herbei !" Der Schreiber
schrie wie ein Besessener. " Oder sollen meine
Knechte es holen ? Kannst dann den Winter durch an
deinem leeren Daumen saugen." Der Bauer horchte
auf. totenstille war im Hof. Niklaus Amstalden atmete
tief, als er sprach: " Das Korn ist recht. Es ist
das letzte, das ich habe." Der Schreiber sprang
vom Stuhl auf. "Du wagst mir zu wiederreden,
frecher Bauer ? Weisst du nicht, dass ich für den
Vogt hier sitze und einziehe, was ihr ihm
schuldet?" |
| Die
Waffenknechte traten näher, die Hand zugbereit am
Knauf des Schwertes. die Stimme de Bauern zitterte,
als er entgegnete: "Ich bin ein freier Mann und
nur dem Kaiser untertan. Was ich heute auf die Burg
getragen habe, bin ich dem Vogt nicht schuldig. Ich
gebe es, damit er mich in Ruhe lässt." |
| Gellend
lachte der Schreiberknecht. "Sag das dem Vogt
selber ! Er wird dir dein elendes Hüttchen über dem
Kopfe verbrennen und dich im Turme vermodern lassen.
Dort hast du dann deinen Frieden." Nun konnte
sich der Bauer nicht mehr beherrschen, und er platzte
heraus: "Schurke, elender ! Geh nur zugrunde an
unserem Korn ! Jetzt ist es genug. Frauen und Kinder
hungern, weil ihr uns alles stehlt. Über unsern
eigenen Boden stampfen die Vogtknechte mit ihren
dreckigen Stiefeln und zerstören uns das Korn, das
wir mit Mühe und Schweiss angebaut haben. Macht nur
so weiter ! Euch geht's auch noch an den Kragen." |
| Noch
hatte der Bauer sein letztes Wort nicht fertig
gesprochen, als ihn schon vier Hände packten. Eine
Fessel legte sich eng und schwer um seine Knöchel.
Von der Stiege her dröhnten harte Schritte.
Landenberg der Vogt, war im Anzug. "Was hat der
Bauer getan?" fragte er barsch und blieb auf der
erhöhten Stiege stehen. |
| Eifrig
verklagte der Schreiber den Gefesselten: "Herr,
er hat sich gegen Euch erhoben. Wir mussten ihn
binden, sonst hätte er mich angefallen."
Amstalden warf einen zornigen Blick zum Schreiber hinüber.
"Lügner!" knurrte er. Der Vogt hatte das
Wort gehört. Erstaunt über solche Frechheit, näherte
er sich dem Gebundenen. |
| "Seid
Ihr nicht mein Untertan, und wie wagt Ihr vor mir zu
reden ?" Die Augen des Bauern funkelten. "Untertane
? Nein, bei Gott nicht", brach es aus ihm hervor.
"Frei waren meine Väter und Urväter. Dem Kaiser
und dem deutschen Reich allein gehören wir. Keinem
Vogte sind wir untertan." Der Landenberger warf
seinen Kopf hoch. "Stehe ich denn nicht für den
deutschen Kaiser hier, und verlange ich nicht das,
wozu er mir das Recht gegeben hat ?" |
| Der
Bauer schwieg einen Augenblick. Es kochte in seiner
Brust. "Vogt seid Ihr uns, jawohl", gab er
zurück, "aber Euch hat die Hölle gesandt und
nicht der Kaiser. Hass und Rache, Blut und Fesseln
brachtet Ihr in unsere Berge. Wartet nur, Herr von
Landenberg, einmal wird's auch für uns wieder Tag
werden. Der Vogt erbleichte. Mit einer raschen
Handbewegung befahl er den Knechten:" Führt den
Aufrührer weg in den Turm, vorwärts! Aus meinen
Augen mit ihm ! Mein Gott, ich könnte mich sonst
vergessen !" Amstalden blickte nochmals zu den
Seinen zurück. "Grüsst mir meine Frau und die
Kinder !" Ein Stock sauste über seinen Arm. Da
verstummte der Bauer. Aber unter dem Tor, das schon
dunkel und feucht gähnte, rief er nochmals zurück:
"Vergesst mich nicht, wenn's tagt !" |
| Ein
Schrei gellte, der den Obwaldnern durch Mark und Bein
fuhr. Dann fiel das Tor. Niklaus Amstalden war getürmt.
Von den Bauern, die mit Korn und Linnen, mit Hanf und
Anken wartend in der Reihe standen, wagte keiner mehr,
ein lautes Wort zu sprechen. Und keiner hob nur seinen
Blick, wenn der Schreiber mit knarrender Stimme seine
Gaben schmähte. Geschlagen trottete einer nach dem
andern zum Tor hinaus in den sonnigen Tag hinein. Nun
trat die Witwe des Karli Josef an den Tisch und wollte
dem Knecht ihr Stoffbündel übergeben. |
| "Was
will das Bettelweib hier ?" herrschte er sie an.
Die Frau sank vor Angst beinahe zu Boden. Mit
zitternder Hand schob sie das Gewand näher. Eine Träne
netzte den Tisch. "Es ist alles, guter Herr, was
ich zu bringen habe. Es ist die Todesgabe für meinen
guten Mann selig", stammelte das erschrockene
Weiblein. |
| "Was
geht mich dein Mann an ?" bauzte der Wüterich am
Tisch. " Mit diesem schäbigen Fetzen geht uns
kein Knecht vors Tor. Wir werden die Ziege holen, wenn
nichts anderes da ist." |
| "die
Geiss, Herr, kann ich nicht geben. Ich habe sonst
nichts mehr zum Leben", klagte die Frau. |
| Zornig
schlug der Mann die Fäuste auf den Tisch und brüllte:
" Hört das Gejammer bald auf ? Das Gewand ist
unser und die Geiss auch, verstanden ?" |
| Alle
schwiegen. In diese unheimliche Stille fiel ein
herzzerreissender Wehschrei, dann folgte ein heiseres
Jammern, das allmählich erstickte. "Sie martern
unsern Niklaus Amstalden in der Folterkammer",
raunten die Bauern im Hofe einander zu. Aber einer
unter ihnen wurde laut. "Teufel seid ihr !"
schrie ein junger Bursche, der sich nicht mehr halten
konnte. wutschnaubend lief er zum Tisch, stemmte
seinen Butterballen hoch und schleuderte ihn mit Wucht
auf den Tisch nieder, so dass der Schreiber ängstlich
zurückwich und samt dem Stuhl rücklings zu Boden stürzte. |
| Soll
ich den Wurm zerstampfen ?" durchzuckte es den
Burschen. Dann warf er einen Blick zum Tor. Noch stand
es weit offen, und seine Leute wichen auseinander. Da
riss er aus. Wie vom Tode gehetzt, rannte der junge
Arnold den Burgweg hinunter und eilte heim ins
Melchtal. |
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Ein
tiefblauer Himmel wölbte sich über dem Melchtal. Nur
den Bergen entlang segelten ein paar milchweisse Wölklein.
Aus der schattigen Schlucht, in der die Melchaa schäumend
zu Tale sprang, wehte ein frisches Morgenlüftchen. In
den Blütenzweigen jubilieren die Finken, und auf dem
Dach der Scheuer flötete eine Amsel. Im saftgrünen
Gras weideten die Kühe, tummelten sich die Kälblein
und zirpten die Grillen ihr eintöniges Lied. Hoch über
dem Tale, in einsamen Lüften, zog der Adler seine
stillen Kreise. "Hüoo, hüü!" Der stramme,
junge Melchtaler hielt den Pflug an und tätschelte
seine beiden Ochsen. "So ist's recht, brav habt
ihr gezogen, immer schön miteinander", lobte
Arnold seine Tiere und gönnte ihnen gerne eine kurze
Rast.
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Während
der Bauer sein Znünibrot verzehrte, blieb ihm plötzlich
ein Bissen im Munde stecken. Starr blickte er gegen
den Tobelweg hinunter. Dann packte er hastig sein Brot
wieder ein und trieb die Ochsen an. "hü, Bär,
es geht weiter ! Bis zum Mittag sind wir fertig."
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Konrad,
der Knecht, verstand gar nicht, warum es Arnold plötzlich
so eilig hatte. Halb verwundert und halb verärgert
fragte er seinen jungen Meister: "Was ist los,
Erni, gibt's heute keinen Znüni ? Ich habe
Hunger." "Ich auch - pflüg jetzt
weiter!" bekam er zur Antwort. Arnold aber wagte
nicht mehr, hangabwärts zu blicken. Dort unten - er
hatte sie gesehen - kamen die Knechte des
Landenbergers.
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"Die
Bluthunde, was wollen sie ?" knurrte er vor sich
hin. Nun hatte auch Konrad die Fremdlinge entdeckt.
Entrüstet rief er Arnold zu : "Schau, dort unten
kommt jemand ! Mitten durchs hohe Gras stampfen sie.
Sind die verrückt ?"
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Arnold
aber wandte seine Ochsen am Ende der Furche, als ob
ihn die Fremden nichts angingen. Diese näherten sich
dem Acker und schritten schnurstracks auf den jungen
Bauern zu. Einer der Knechte - er war mit einem grünen
Wams bekleidet - trat sogar in die frisch gepflügte
Erde und rief mit drohend erhobener Hand: "Halt,
Bauer, wir kommen im Namen des Landvogtes!"
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| Arnold
pflügte weiter, als ob er nichts gehört hätte.
Konrad schritt hintendrein und steuerte den Pflug. Der
Anführer gab ein Handzeichen. Da sprangen seine
Begleiter in den Acker, fassten die Ochsen an den
Halftern und brachten mit Mühe das Gespann zu stehen. |
| "Hände
weg ! Lass meine braven Tiere in Ruhe!" fuhr
Arnold die Knechte an. |
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Diese
gaben frech zurück: "Die Ochsen sind unser. Du
kannst den Pflug selber durch den Dreck ziehen."
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"Der
Vogt hat kein Recht, uns die Tiere wegzunehmen. Wir
haben gezinst, und wir sind ihm weiter nicht mehr
schuldig", gab Arnold mit fester Stimme zu
verstehen.
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"Zinsen
nennst du das, was du dir auf der Burg erlaubt hast ?
Schurkenstreiche sind das. Warte nur, der Vogt wird
sie dir gründlich austreiben !" Der Knecht im grünen
Wams lachte mit schneidendem Hohn. "Spannt die
Ochsen aus, vorwärts!" befahl der Anführer
energisch. Wie eine schützende Wettertanne stellte
sich der junge Bauer vor seine lieben Tiere.
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| "Zurück
!" rief er und schwang den Stock, dass die Luft
sauste. "Hände weg, verfluchter Kerl !"
wiederholte er. Seine Augen blitzten, und unter dem
weiten Hirtenhemd wogte seine Brust. |
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Doch
der Knecht liess nicht locker, sondern fasste das Joch
noch kräftiger an, während ein anderer am Lederzeug
zu nesteln begann.
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Da
sauste der Stock nieder. "Au, auuu!" heulte
der Getroffene und leckte sich das Blut vom Finger. Er
tanzte von einem Bein auf das andere, während er mit
seiner rechten Hand die schmerzende Linke umklammerte.
Der Knecht im grünen Wams schickte die beiden andern
aus dem Acker weg. Dann trat er zum Bauern hin und
drohte ihm mit erhobenem Finger : "Schurke, das
hast du keinem Toten angetan ! Wir werden uns auf der
Burg wiedersehen. Denk daran, der Turm ist feucht und
dunkel, die Wassersuppe dünn ! Auch dich werden wir
weich kriegen, Spitzbube." Hierauf machten sich
die Herrenknechte davon, eilig dem Vogt zu melden, was
geschehen war.
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Konrad
sass auf der rohgezimmerten Bank vor dem Hause. Die
Nacht war schon hereingebrochen. Ab und zu guckte der
Mond aus einem Wolkenfenster in die stille Welt. Da
konnte Konrad die Fledermäuse erkennen, die lautlos
um den Nussbaum flatterten. Der Knecht begab sich
nochmals in den Stall, um nachzusehen, ob bei den
Tieren alles in Ordnung sei. Dann polterte er mit
seinen groben Holzschuhen über die hohe Schwelle ins
Haus. Vater Heini sass im roten Lichtschein des Feuers
ganz nahe am offenen Kamin. Er war in trübe Gedanken
versunken und atmete schwer. Die Mutter hatte das Nähzeug
vor sich ausgebreitet. Aber der Kummer, der wie ein
Stein auf ihrem Herzen lag, liess sie keinen Stich
tun. Tränen tropften ihr auf den Schoss, und tiefe
Falten durchfurchten ihr Gesicht. Neben ihr stand
Margret, das kleine hübsche Mädchen mit den blonden
Zöpfen. Leise flüsterte es der Mutter zu :
"Brauchst keine Angst zu haben. Der Noldi kommt
ganz sicher wieder heim. Beim Vetter in Uri drüben können
ihn die Knechte des Vogtes nicht holen."
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Der
Vater starrte ins Feuer und seufzte: "Der dumme
Bub, uns alle stürzt er ins Elend, der Hitzkopf. Der
Landenberger wird das Blut bestrafen, das heute in den
Acker geflossen ist."
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Die
Mutter horchte auf. Hatte sie nicht Schritte gehört ?
Entsetzen stand in ihrem Antlitz. Draussen wurden
Stimmen laut. Konrad schob den Fensterladen zurück
und rief in die Nacht hinaus: " Wer ist draussen
?" "Frag nicht, mach die Türe auf !"
erscholl es aus dem Dunkeln. "Auf da, wir haben
keine Zeit zu warten !"
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Und
schon hämmerten Fäuste gegen die Türe. Totenblass,
die beiden Hände vor dem Gesicht, stand Margret in
der Ecke neben dem Kamin. Der Vater fasste das
zitternde Kind am Arm. "Du Dummes, steig hinauf
in die Diele und versteck dich gut, sonst nehmen dich
die Rohlinge mit auf die Burg !"
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Während
das Kind hastig die Leiter erklomm, schlugen die
Knechte gegen die Türe, so dass der Drehpfosten
bedenklich krachte. Die rauhen Stimmen drohten :
"Wird's bald, oder wir werfen Feuer aufs Dach
!"
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Konrad
fasste die schwere Axt beim Scheitstock und wollte
sich mit ihr zur Türe begeben. Der Vater aber wehrte
es ihm. "Lass das, mit Schlagen richten wir
nichts aus !" Gefasst schritt er zur Türe und
schob den Balken zurück. Wie eine wilde Horde drängten
die Männer herein. "Schaff mir den Buben her,
Alter !" schnauzte der vorderste der
Eindringlinge. "Verzeiht, er ist nicht hier ! Er
hat das Haus verlassen und ist in die Berge geflohen.
Gott weiss, wo er ist", beteuerte der Vater. Die
Knechte schlugen ein schallendes Gelächter an, und
der Anführer höhnte: "Du alter Fuchs, dich
kennen wir, so leicht entgeht uns dein Bube
nicht." Seinen Knechten aber befahl er: "
Kehrt dem Alten das Haus und bringt mir den
Elendschinder zur Stelle!"
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Nun
polterten die rohen Männer durchs ganze Haus,
durchsuchten und durchschnüffelten Kisten und Kästen,
warfen die Stühle um, kehrten die Laubsäcke und
schlugen zuletzt im Keller die Fässer entzwei.
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Die
Mutter stiess einen Schrei aus, als einer der
mutwilligen Knechte die Leiter bestieg und mit der
Fackel in die Diele leuchtete.
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"Ihr
zündet uns das Dach an. Um Himmels willen kommt
herunter !" flehte die Mutter. Sie bangte um ihr
Kind. Der Vater fasste den Knecht am Arm und zog ihn
von der Leiter weg. Entschlossen sprach er:
"Lasst ab, ihr findet den Buben nicht ! Und damit
ihr mir endlich glaubt, dass er nicht hier ist, will
ich mit euch auf die Burg kommen. Ich weiss, mein Sohn
ist schuldig. Ich werde den Vogt um Verzeihung bitten
und, wenn's sein muss, auch büssen."
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"Du
willst mich verlassen, Heini ? Nein, das darfst du mir
nicht antun." Die Mutter schwankte und fiel in
Ohnmacht. Konrad trug sie auf einen Stuhl und blieb
bei ihr, bis sie wieder zu Sinnen kam. Unterdessen
hatten die Schergen den Vater auf ein Pferd gebunden.
Der Mutter wollte das Herz brechen, als sie sah, wie
die Spiessgesellen ihren guten Mann in die finstere
Nacht hinaus entführten. Zitternd wie Espenlaub stieg
Margret von der Diele herunter und warf sich der
Mutter in die Arme. Beide hielten einander innig
umschlungen und schluchzten Herzzerbrechend.
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In
der gleichen Nacht hielt sich Arnold in einem
Heuschober auf der Farnalp versteckt. Beim
Morgengrauen setzte er seinen einsamen Weg fort über
abgelegene Alpen, durch reissende Wildbäche und
steilen Rüfen entlang dem Urnerland entgegen.
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Der
Landvogt stand mit verschränkten Armen im grossen
Rittersaal. Seinen Blick hatte er zur Decke gehoben,
wo er die neuen Malereien bewunderte. Durch die
Fensterscheiben neben dem prunkvollen Kamin fielen
farbige Lichtstrahlen in den Raum und bildeten am
boden bunte Kringel. Die Türe öffnete sich. Zwischen
zwei Knechten, mit schweren Ketten gefesselt,
schleppte sich der Melchtalbauer in den Prunksaal.
Sein Gesicht war entstellt von den blauen und roten
Beulen, welche ihm die Folterknechte geschlagen
hatten.
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Der
Landvogt brüllte den gebrochenen Mann an: "
Heraus jetzt mit der Sprache ! Wo steckt dein Bub
?"
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Der
Bauer zuckte die Achseln und schwieg. Das machte den
Landenberger rasend. Er schüttelte den Gefesselten
und schrie in an: "Gibst du mir endlich Antwort,
du niederträchtiger Fuchs, oder muss ich dich in den
Ketten zermalmen lassen ?"
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"Ich
kann nicht sagen , was ich nicht weiss",
antwortete der arme Mann. " Lügenmaul, du kennst
mich nicht, sonst würdest du nicht wagen, meinen Zorn
zu erregen !"
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| "Würden
wir Euch nicht kennen, mein Sohn wäre nicht in die
Berge geflohen", wagte der Greis zu
widersprechen. |
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Bei
diesen Worten fuhr der Vogt wie ein Besessener auf und
schrie durch den Saal: " Die Eisen ins Feuer !
Brennt dem Schurken die Augen aus!" Mit
ausgestrecktem Arme wies er den Gefangenen samt seinen
Schergen zum Saal hinaus.
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Noch
am gleichen Abend gellten furchtbare Schreie durch die
Hallen der Burg. Im Stall und Hof verstummten die
Knechte, und die Mägde bekreuzigten sich. "Der
Herrgott sei dem Armen gnädig !" als das
Wehgeschrei verstummt war, kehrte wie ein Fluch eine
unheimliche Stille in die weiten Räume der Burg zurück.
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Am
andern Tag tastete sich ein gebrochener Mann den
Burgweg hinunter. Es war der geblendete Melchtalbauer.
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Von
blühenden Blumen umgeben, sass Frau Gertrud auf der
Bank vor ihrem neuen, stattlichen Hause. Die letzten
Sonnenstrahlen gleissten in den blanken
Butzenscheiben, während die bunten Wappenbilder über
der obersten Fensterreihe schon im Schatten lagen. Vom
Kirchturm herüber glöckelte es Betzeit, und wie zwei
mächtige Herolde glühten die Mythen im Abendschein.
mit gefalteten Händen las die Stauffacherin den
schmucken Hausspruch, der zwischen den leuchtenden
Fensterblumen die wuchtige Hausfront zierte: "
Gott schütze Haus und Land vor Hunger, Not und Brand
!" Frau Gertrud atmete erleichtert auf, als sie
ihren Mann auf dem Weg zum Hause erblickte.
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Landammann
Werner Stauffacher war am Morgen nach Brunnen
gefahren. Da er nun einen strengen Tag hinter sich
hatte, setzte er sich erschöpft neben seiner Frau auf
die Bank nieder. Auf den Bergen war das letzte Licht
erloschen. Eine Amsel sang im Gezweige, und auf einem
fernen Bauernhof kläffte ein Hunf. Nach einem kurzen
Schweigen begann Stauffacher zu berichten : " Ich
habe heute vernommen, Kaiser Rudolf sei vor ein paar
Tagen in Speyer gestorben."
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Frau
Gertruds Augen leuchteten auf: "Der Kaiser tot,
dann sind wir ja wieder frei. Jetzt könnt ihr's doch
wagen. Jagt die Vögte zum Land hinaus ! Wie wird sich
Walter Fürst freuen ! Wissen sie die Nachricht schon
in Uri ? - Warum freust du dich den nicht, Mann ? Wenn
doch der Kaiser tot ist, was wollen die Vögte noch
ausrichten ?" Frau Gertrud glühte vor Eifer.
"vorläufig hocken sie noch fest in ihren
Burgen", antwortete der Landammann ohne
Begeisterung. "Eben hat Gessler verkünden
lassen, er sei jetzt Regent im Land, bis der neue
Kaiser gewählt sei. Für das Kaiserbegräbnis fordert
er eine neue Abgabe. Der silberne Sarg für den toten
Habsburger kostet Geld. Wer nicht zahlen will, den
schickt Gessler nach Silenen. Dort baut er jetzt einen
neuen Gefängnisturm, mit dem er die Urner bezwingen
will. Zwing-Uri nennt er ihn. Siehst du Frau, es wird
nicht so leicht sein, mit diesen verhassten Herren
abzurechnen."
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Stauffacher
schwieg. Plötzlich schreckte das Traben von Rossen
die friedlichen Leute im Garten auf. Um die Ecke
ritten schon die Trabanten des Vogtes daher. Hinter
ihnen, auf stolzem Hengst, folgte Gessler selber. Sein
tross war schon vorüber, als der Vogt sein Pferd
anhielt und finster zum neuen Hause emporblickte. Er führte
seinen Rappen näher an den Garten heran und schaute
hochmütig auf den Landammann nieder, der sich von der
Bank erhob und den Vogt ehrerbietig grüsste.
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"Wer
bist du, dass du in einem solch vornehmen Hause wohnst
?" fragte Gessler, ohne Gruss, schneidend und
barsch. Stauffacher antwortete: " Ihr kennt mich
wohl, Herr. Ich bin der Stauffacher." Ein rauhes
Lachen schüttelte den Vogt. "Ach so, der
Landammann, der die Bauern verhetzt. Dafür haust er
in einem Prunkhaus, wie selbst ein Edler kein schöneres
besitzen könnte. Ein nobler Bauer, das muss ich
sagen."
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Das
Blut wich Stauffacher aus dem Antlitz. Seine Frau
fasste ihn heimlich bei der Hand und schaute ihn
flehend an. Da beruhigte sich der Landammann wieder.
Aber schon traf ihn Gesslers zweite Frage: "Wem
gehört dieses Haus ? Ich will es wissen."
Stauffacher blieb ruhig und gab kurz und bündig
Antwort. "Das Haus ist mein, vom Kaiser mir
verliehen." Jetzt brauste Gessler auf. "Was
sagst du, Bauer ? - Dein Haus ? Weisst du nicht, dass
du ein Knecht und Untertane bist und kein Recht hast,
ein Haus zu bauen, wie es dir gefällt ? Soll ich dich
zur Zwing-Uri schicken ? Dort kannst du an deinem
eigenen Gefängnis bauen."
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Frau
Gertrud wollte das Herz stille stehen, als sie das
Wort "Zwing-Uri" vernahm. Werner spürte den
Schrecken seiner Frau und wollte darum den Vogt nicht
unnötig reizen. Nochmals antwortete er gelassen :
"Ich habe mein Haus auf meinem eigenen Boden
gebaut. Dem Vater gehörte das Land, und das Haus ist
bezahlt." Das Gesicht des Tyrannen verzerrte sich
bei diesen Worten. Jäh griff er in die Zügel, so
dass sich das Ross aufbäumte. Die Frau schrie auf.
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"Schrei
nur, Weib !" rief Gessler, bevor er sich
entfernte. "Ich werde deinem Mann noch zeigen,
wer hier in Schwyz Herr und Regent ist. Bauern und
Taglöhner bauen keine Steinhäuser. Lass euch das
gesagt sein ! Ich werde euch wieder finden." Dann
sprengte der Wüterich auf seinem schwarzen Hengst
davon. Sein Mantel flatterte, und die Auerhahnfeder
wiegte sich im wilden Galopp.
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Zwing
Uri |
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Gessler
ritt in Altdorf ein. Schnurstracks lenkte er sein
Pferd auf den Dorfplatz. "Der Vogt ist da !"
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht bei
den Altdorfern. Die Mütter riefen ihre Kinder ins
Haus, und die Männer schlugen die Fenster zu, als der
Hufschlag an ihre Ohren drang. Auf dem Platz, mitten
im Dorfe, stand eine hohe Stange. Auf dieser hatte
Gessler seinen Hut aufgepflanzt und den Urnern verkündet:
" Wer den Hut nicht grüsst, und wer ihm nicht
die Ehre erweist, die ihr eurem Vogt und Gebieter
selber schuldig seid, der ist ein Feind des Kaisers
und wird harte Strafe erfahren."
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Seit
dieser Hut an der Stange hing, war der Dorfplatz wie
ausgestorben. Niemand mehr betrat ihn, und die Wächter
unter dem Hut langweilten sich. Gessler sah sich auf
dem menschenleeren Platz verwundert um. Barsch wandte
er sich an einen der Wächter: " Gibt's etwas zu
melden ?" Der Angeredete rannte zum Pferd,
verneigte sich tief vor seinem Herrn und berichtete:
" Vom Morgen bis zum Abend kommt hier kein Mensch
vorüber. Nur die Hühner und die Schweine tummeln
sich auf dem Platz." Gessler schüttelte verärgert
den Kopf, gab dem Pferd die Sporen und liess den
Knecht ohne Antwort stehen. Er sprengte dorfauswärts
Silenen zu, wo er den Bau der Zwing-Uri besichtigen
wollte. Dort bimmelte das Glöcklein vom Turme. Die
Fronbauern liessen ihre Pickel fallen und falteten die
Hände zum Gebet, wie sie es sich von altersher
gewohnt waren. Aber da donnerte die Stimme des
Aufsehers: "Hat euch der Vogt zum Beten
angestellt oder zum Arbeiten ?" Dabei sauste die
Peitsche über den, der am nächsten stand. Das
zerrissene Hemd färbte sich rot.
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Es
war schon ganz dunkel geworden, als von Silenen her
Pferdegetrappel hörbar wurde. Nicht mehr lange
dauerte es, da stand Gessler im Hofe, den seine
Begleiter mit Fackeln erhellten. die Frontleute
warteten auf die Abendsuppe. Unwillig erhoben sie sich
vor Gessler. Jeder hielt den Holznapf in der Hand und
spähte gierig nach dem Essen. Schon seit Stunden
knurrte ihnen der Magen. Wie Verbrecher mussten die Männer
dastehen, und keiner durfte ein lautes Wort sprechen.
Ihre Nacken beugten sich noch tiefer, als der Vogt an
ihnen vorüberschritt. Keiner wollte den Verhassten
sehen.
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Gessler
aber rief sie auf: " Wieso steht ihr herum ? Bald
ist der Winter da, und die Burg muss stehen, bevor es
einschneit, verstanden !"
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Die
Aufseher rannten herbei und brüllten aufgeregt :
"Fort an die Burg jetzt ! Volle Bäuche arbeiten
nicht gern !" Solche Sprüche gefielen dem Vogt,
und er lächelte hämisch und befriedigt vor sich hin.
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Ein
junger Steinauer, der Rüti Josef, trank noch
seelenruhig seine Suppe weiter, als seine Kameraden
schon wieder an der Arbeit waren. Der Knecht schlug
ihn mit der Peitsche, dass er den Holznapf fallen
liess. Der Vogt hatte das Gepolter gehört und trat näher.
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"Er
gehorcht nicht. Der Bauer will seinen Stierennacken
nicht beugen", verklagte ihn der Aufseher.
"Sperr ihn ein !" befahl der Vogt unwirsch,
"ich kann keine Rebellen brauchen."
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Der
Aufseher getraute sich zu sagen :" Herr, wir
haben noch kein Gefängnis fertig gebaut. Wohin soll
ich ihn bringen ?" Gesslers Zorn schwoll an:
" Faulenzer, Tagediebe seid ihr ! Wenn ihr noch
keinen Kerker habt, so baut sie. Tag und Nacht sollt
ihr keine Rast bekommen, bis die Zwingburg fertig ist.
Los, bindet den Rebellen ! Legt ihn in Ketten und
bringt ihm mit Peitsche das Gehorchen bei ! Sobald ihr
ein Kerkerloch fertig habt, werft ihn hinein !"
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Die
Fronmänner , die die kreischende Stimme Gesslers
vernahmen, sahen einander an. Im Scheine der Fackeln
glichen ihre Augen glimmenden Feuern. Einige murrten,
andere hieben verbissen die Pickel auf die Steine.
Gessler bestieg sein Ross. Bevor er ihm die Sporen
gab, wandte er sich nochmals an die Aufseher:
"Noch etwas, he ?" Weil alle schwiegen,
entfernte er sich mit seinem Gesinde.
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Geduckt
und wundgeschlagen kehrte Josef an die Arbeit zurück.
Die ganze Nacht hindurch fielen die Hämmer und Pickel
auf die Steine, und in hellen Klängen widerhallten
die Schläge am nahen Felsen.
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Der
junge Melchtaler und sein Vetter Walter Fürst sassen
zusammen am schweren Eichentisch in der dämmerigen
Stube. Die Base schob die Läden vor, dann holte sie
den Öltiegel in der Küche, zündete den Dolcht an
und stellte das Licht auf den Scheffel. Eine schwarze
Nacht war über Altdorf hereingebrochen.
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Seit
Arnold sich in ihrem Hause versteckt hielt, kannte die
Frau keine ruhige Stunde mehr. Vor ein paar Tagen
waren bewaffnete Knechte ins Haus eingedrungen und
hatten in allen Kammern den flüchtigen Melchtaler
gesucht. Noch steckte ihr der Schrecken in allen
Gliedern, und beim leisesten Knacken im Gebälk
horchte die Base auf wie ein scheues Reh.
Niedergeschlagen setzte sie sich auf die Bank neben
dem Kamin und begann leise zu beten.
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Es
klopfte an die Türe. Walter Fürst schob den
Riegelbalken zurück. Er hiess seinen späten Gast
freundlich willkommen und führte ihn in die heimelige
Stube. Werner Stauffacher wischte den Schweiss von
seiner braunen Stirne und begann noch keuchend die
ersten Worte zu sprechen: "Es ist ein Elend, so
zu leben." "Ihr habt Kummer, guter Freund
?" fragte Walter Fürst mit seiner weichen
ruhigen Stimme.
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Da
schüttete der Landammann das Herz aus: "Der
verruchte Gessler hat mir Rache geschworen, weil ich
auf meinem eigenen Grund und Boden ein neues Haus
errichten liess. Taglöhner und Bauerngesindel hat
mich der Frechling gescholten. Und nun bin ich meines
Lebens nicht mehr sicher vor dem Henker. Nein, ich
lass mich nicht in den Turm werfen. Sind wir denn
Sklaven, die man einfängt und ertränkt wie die Mäuse
? Ich meine, es ist jetzt höchste Zeit, dass wir uns
wehren und den Vögten den Garaus machen. Ich pfeife
auf ein solches Leben in Angst und Verfolgung. wir
sind es unseren Kindern schuldig, dass wir die Waffen
schmieden und ihnen eine freie Heimat als Erbe
hinterlassen."
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In
den Augen des jungen Arnold leuchtete eine heimliche
Freude auf. Der Stauffacher hatte ihm ganz aus dem
Herzen gesprochen. Sich zusammenschliessen, die Waffen
schmieden und die Burgen anzünden, davon hatte er
schon in mancher Nacht geträumt. Er glühte beim
Gedanken, dass nun die Zeit der Vergeltung gekommen
war. Gespannt wartete er auf die Antwort seines
Vetters.
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Walter
Fürst strich sich durch seinen ergrauten Bart, während
er sich noch einen Augenblick besann. Dann begann er
zu sprechen: " Mein Freund, die Vögte können
wir vertreiben. Das wird uns gelingen. Aber was
richten wir aus gegen ein glänzendes und
kriegsgewohntes Ritterheer der Habsburger ? Wir würden
geschlagen, und unsere Kinder hätten noch grössere
Plagen auszustehen, als wir sie heute erdulden."
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"Der
Kaiser ist tot, und in den Bergen kann das beste
Ritterheer nicht kämpfen", platzte der junge
Bursche heraus. "Wenn wir zusammenstehen, die Männer
von Uri, Schwyz und Unterwalden, werden wir stark
sein, und Gott wird uns beistehen."
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Der
greise Vetter dämpfte die Begeisterung des Jungen.
" Du bist noch unerfahren und hast heisses Blut
in deinen Adern. Wir dürfen keine unüberlegte Tag
wagen."
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Ein
heftiges Gepolter an den Fensterläden unterbrach den
Vetter. Eine krächzende Stimme ertönte von draussen:
"Habt keine Angst ! Der Balz ist's."
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| Walter
Fürst schob den Laden zurück und rief der zerlumpten
Gestalt zu: "Bekommst keinen Schnaps heute Abend.
Kannst im Stall ruhen. Die Decken sind im Tenn. Geh
jetzt und schlaf gut !" |
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Balz
aber blieb stehen und beteuerte, er habe noch etwas
Wichtiges zu melden. Er komme von der Blackenalp. Dort
habe er von einem Unterwaldner erfahren, der Heini von
Melchi sei geblendet worden. Es sei furchtbar, mit glühendem
eisen die Augen ausgestochen. "Gut' Nacht."
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Arnold
hatte die Worte des Alten verstanden. "Geblendet
!" schrie er. "Wenn das wahr ist !" Er
ballte die Fäuste, und eine Weile starrte er stumm
vor sich hin. Dann fuhr er plötzlich auf und rief:
"Der Schuft soll nicht mehr weiterleben!"
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Nochmals
bäumte er sich auf, dann brach sein Zorn wie ein
loderndes Strohfeuer in sich zusammen, und er
schluchzte laut. Walter Fürst und Werner Stauffacher
sahen einander schweigend an. Der Schmerz des Jungen
einigte sie. Der greise Vetter fasste den Unglücklichen
bei der Hand und gelobte ihm: "Sei guten Mutes,
wir werden deinen Vater rächen ! Wir schwören
es." Werner Stauffacher und der junge Melchtaler
wiederholten die feierlichen Worte: "Wir schwören
es." Hierauf suchten die drei ersten Eidgenossen
ihre Nachtlager auf.
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Gesslerburg
bei Küssnacht am Rigi |
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Rings
um den Dorfplatz zu Altdorf war alles ruhig. Wie eine
verlassene Vogelscheuche auf einem abgeernteten Acker
baumelte Gesslers Kopfputz auf der hohen Stange. Der
eine Wächter lehnte sich müssig gegen eine Mauerwand
und gähnte vor Langeweile, während der andere zum
Zeitvertreib mit einem Sandstein die Schwertschneide
blank schabte. Von Zeit zu Zeit suchte ein durstiger
Altdorfer das Wirtshaus am Platze auf. Damit er den
Hut nicht grüssen musste, drückte er sich den Häusern
und Zäunen entlang, bis er im Hausgang verschwinden
konnte.
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Auf
einmal entstand eine Aufregung auf dem Platz. Aus
einem Gässlein schoss ein Schweinchen hervor und
raste mitten auf den Platz. Hier blieb es stehen und
schnüffelte am Boden. Allmählich näherte es sich
der Stange. "Schaff das Schweinevieh weg !"
schnauzten die Wächter das Weiblein an, das mit einem
Stock in der Hand am Rande des Platzes stehengeblieben
war und verzweifelt das entlaufene Tierchen zu sich
lockte. Wenn nur die Stange nicht wäre ! Sie konnte
doch den Platz nicht betreten, ohne sich vor dem Hut
zu verbeugen. Und dem Gessler die Ehre geben, nein,
das wollte die Frau auf keinen Fall tun. Das
Schweinchen aber schien sich auf dem menschenleeren
Platze recht wohl zu fühlen. Es glaubte sich hier
sicher, und dass die Knechte laut schimpften und
wetterten, machte ihm nicht sonderlich Eindruck.
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Als
der kleine Köbi sah, wie die arme Liese vor Angst und
Aufregung sich kaum mehr zu helfen wusste, rannte er
mitten auf den Platz, verneigte sich brav vor dem Hute
und fasste das Schwein am Strick. Er hob es auf die
Arme. Fast wäre er mit dem schreienden und
strampelnden Tierchen gestrauchelt.
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Die
alte Frau wusste kaum, wie sie dem hilfreichen Buben
danken sollte. Sie strich ihm mit der Hand durch
seinen blonden Wuschelkopf und flüssterte ihm ins Ohr
:" Komm mit mir ! Ich habe noch etwas Gutes für
dich daheim. Bist ein kleiner Engel gewesen. Aber
weisst, vor dem Gesslerhut hättest dich nicht
verneigen sollen."
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"Das
hab' ich mich auch nicht", setzte sich der Bub
eifrig zur Wehr. "Weisst, Liese, ich habe neben
dem Hut vorbei zum Himmel empor geblickt und, als ich
das Knie beugte, leise für mich gesprochen:
"Lieber Gott, vor dir verneige ich mich. Vertreib
den Gessler und die Vögte aus unserem Land !"
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Die
Alte musste herzhaft lachen, und doch glänzte eine Träne
in ihren Augen. Der kleine, witzige Köbi war immer so
gut mit ihr.
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Apfelschuss
in Altdorf |
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Es
ging gegen Mittag. Die Sonne brannte heiss hernieder.
Schläfrig hockten die Wartknechte in der Nähe der
Stange. Sobald von irgendwoher Hufschläge zu
vernehmen waren, schnellten sie auf, um in strammer
Haltung dazustehen, sollte etwa Gessler im Anzug sein.
Am Morgen war er gegen Silenen geritten, um bei der
Zwing - Uri zum Rechten zu sehen. Jeden Augenblick
konnte der gestrenge Herr zurückkehren.
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Plötzlich
widerhallte Mannesschritt von den Hauswänden. Ein
baumstarker , junger Mann mit geschulteter Armbrust,
einen munteren Buben an der linken Hand führend,
schritt über den Platz. Der Wächter blickte auf. Der
eine stiess den andern in die Seite und flüsterte ihm
zu: " Der Tell aus Bürglen. Sein Sohn ist mit
ihm." Vater und Sohn schritten geradewegs am Hut
vorbei. Auf diesen Augenblick hatten die Knechte schon
lange gewartet. Wie von einer Wespe gestochen,
schossen sie hoch und riefen: " Halt da, ihr habt
den Hut nicht gegrüsst !" Die Angeredeten
blieben stehen. Doch lachte Tell kurz auf und wollte
sich entfernen.
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"Halt,
nicht weiter !" befahl der eine Wartknecht mit
scharfer Stimme, während der andere aus Leibeskräften
pfiff, um die übrigen Spiessgesellen herbeizurufen. Fünf
weitere rannten daher und stemmten Tell ihre Spiesse
vor die Brust. Der Knabe schrie: "Lasst den Vater
los!" Das Bübchen hielt sich krampfhaft am einen
Bein des Vaters. "Brauchst dich nicht zu fürchten",
ermunterte Tell sein Kind, und zu den Knechten
gewandt, sprach er verärgert: "Macht hier kein
Aufsehen und lasst mich ziehen!"
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Aber
die Knechte gaben keine Antwort, sondern fuchtelten
immer drohender mit ihren Waffen. aus den Gassen und
den umstehenden Häusern liefen die Leute herbei. Laut
klagten sie: "Um Gottes willen, der Tell ist
gefangen!" Alle kannten und liebten den starken
Bauern aus Bürglen, der kein Wetter und keinen Sturm
auf den Bergen und dem See fürchtete.
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"Wäre
er doch daheim geblieben ! Jetzt ist er dem wüsten
Gessler ins Netz gegangen. Und der kleine Wälti, wie
er zittert vor Angst !" so jammerten die Leute,
doch niemand wagte, die beiden aus den Händen der
Knechte zu befreien. Trotzig wie ein Baum, der nicht
zu fällen war, stand Tell zwischen den vorgestreckten
Lanzen und blickte furchtlos um sich. Da ertönte ein
Horn. Pferdegetrappel erfüllte die Gassen. Der
Landvogt ritt auf den Platz, sein grosses Gefolge
hinter ihm her. Gessler hörte sich kurz die Klage des
Wächters an, dann näherte er sich Tell und fragte
ihn herrisch: " Wer bist du, dass du den Hut
nicht grüssest ?" " Ich bin der Tell aus Bürglen."
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Gessler
lachte laut: "Darum meinst du, mein Gesetz gelte
für dich nicht." Tell fuhr das Blut ins Gesicht.
Das grobe Gelächter des Vogtes hatte ihn beleidigt.
Er blieb aber ruhig und antwortete bestimmt: "Ich
habe die Gesetze Gottes und des Kaisers immer
gehalten. Was Ihr mit dem Hut verlangt ist schmählich.
Ein freier Bauer beugt sein Knie nicht vor einem
leeren Kopfschutz."
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Gesslers
Gesicht verfinsterte sich, und mit kaltem Blick mass
er den starken Bauern vom Scheitel bis zur Sohle.
Seine Stimme wurde drohend. " Und wenn ich von
dir verlange, dass du vom Morgen bis zum Abend im
Dreck kniest, so hast du mir zu gehorchen. Merk dir
das endlich, wiederspenstiger Bauer!"
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Tell
wandte sich verächtlich vom Landvogt ab. "Komm,
Walter!" sagte er und fasste den Knaben bei der
Hand. Der Knecht aber hielt die beiden zurück. Da schüttelte
Tell ihre Hände ab. Seine Augen blitzten böse.
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"Lasst
mich endlich los ! Herrgott, ihr reizt mich noch
!" "Bindet ihn!" brüllte der Vogt. die
Armbrust fiel zu Boden. Walter hob sie auf. "Du
bist der Sohn ? Gib Antwort !"
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Ganz
verwirrt blickte der Bub um sich, weil er kaum wagte,
mit dem gefürchteten Gessler zu reden. "Bist du
es ?" Der verschüchterte Knabe nickte nur, als
ihn die scharfe Frage Gesslers zu zweitenmal traf.
Rings um den Platz standen die Altdorfer an den
Fenstern und Türen. Ihre Herzen klopften bang. Da
ging plötzlich ein boshaftiges Grinsen über des
Vogtes Antlitz. Was hatte der Tyrann im sinn ? Er ritt
ganz nahe zu Tell und lachte vor teuflischer Freude.
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"Du
bist ein guter Schütze, wie man sagt." "Ihr
wisst es", antwortete Tell kurz und bündig.
"Weisst du Bäuerlein, dass ich dir dein Leben
nehmen kann, wenn es mir gefällt ?"
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Während
diesen furchtbaren Worten hatte der Vogt mit seiner
Ledergerte Tell über den Kopf gestrichen und hämisch
dazu gelächelt. " Ihr habt kein Recht auf mein
Leben", erwiderte Tell. Wieder lachte Gessler
kurz und trocken. " Kein Recht, sagst du ? Ich
will dir heute noch zeigen, wozu ich ein Recht habe.
Ich bin ein Freund des Kaisers, verstehst du ? Auch
wenn er tot ist, das tut nichts zur Sache."
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Er
zwinkerte mit den Augen, als er den Knaben wieder
anredete: "Dein Vater trifft gut, nicht
wahr?" "Gewiss, Herr Vogt", versicherte
der Bub bestimmt, "mein Vater trifft jeden Vogel
im Flug."
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"Wohl
denn, so wollen wir uns einmal ein solches Meisterstück
ansehen. Stell dich dort unter die Linde ! Der Vater
wird dir einen Apfel vom Kopfe schiessen."
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Tell
wurde totenblass. Die Worte des Vogtes hatten ihn wie
ein Blitzstrahl getroffen. Er sah seinen Knaben vor
sich. Da trat er näher zum Ross und flehte: "
Was denkt Ihr, Herr ? Auf mein Kind einen Pfeil
abgeben ? Ihr verlangt zuviel."
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Gessler
aber höhnte nur: " Wenn du auf dein Kind
schiesst, so ist das deine Sache. Ich sage: Den Apfel
sollts du treffen. Und jetzt heran an das Meisterstück,
sonst bist du verloren!"
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