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Es
war im Jahre 1314. Schon sonnten sich die stolzen
Mythen im Frühlicht des jungen Tages. Da regte sich
munteres Leben im stillen Dorfe. Flinke Buben und Mädchen,
mit Stöcken ausgerüstet, trieben die Kühe aus den
Ställen und wiesen sie dem grossen Dorfplatze von
Schwyz zu.
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| "Sessee
Loba.....hüo, hüo hoo !" |
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Die
Rufe der jungen Sennen vermischten sich mit dem Gebrüll
der Tiere. Die Treibhunde kläfften, und die Luft war
erfüllt vom Klang der vielen Glocken und Treicheln.
Heute hiess es Abschied nehmen von den lieben Kühen.
Als auch der Bauer von der Hofmatt als letzter mit
seinem Vieh angekommen war, bewegte sich der Zug
dorfauswärts der Sommeralp zu. Die Alpfahrt war für
die Bauernbuben immer ein kleines Fest. Jeder hatte
seinen eigenen Esssack umgehängt, der gefüllt war
mit Brot, Käse, Eiern und geräuchertem Fleisch. Das
Herrlichste an der Alpfahrt war aber das Schlafen auf
der Alp droben in einem fremden Stall, mit andern
Buben zusammen.
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Plötzlich
stockte der Alpzug. Das schmale Strässchen war mit
Steinen und Baumstämmen verrammelt, und man konnte
unmöglich durchkommen. Drei bewaffnete Knechte
standen mitten im Weg und riefen dem Obersenn zu:
" Kehrt um, ihr Kuhmelker ! Die Alp gehört dem
Abte. Der Kaiser hat sie dem Kloster geschenkt. Ihr
habt hier mit euren Kühen nichts mehr zu suchen.
Kehrt um, vorwärts !"
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Obersenn
Kuoni war ein baumstarker Kerl und einer, der nicht
viel Federlesen machte. Er trat vor die bewaffneten
Knechte hin und redete sie trotzig an: " Unsere Väter
haben, so lange wir wissen, diese Weiden genutzt.
Friedrich der Schöne hatte kein Recht, sie dem Abte
zu verschenken. Macht Platz, sonst schlagen wir zu
!"
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Er
hob seinen knorrigen Stock und rief die andern Sennen
herbei. Die Klosterknechte sahen, dass sie gegen
zwanzig und mehr Bauern nichts auszurichten
vermochten, und weil sie sich vor ihnen fürchteten,
liessen sie die Sennen mit ihren Kühen weiterziehen.
In Einsiedeln meldeten sie dem Abte, was geschehen
war. Erbost über diese Frechheit, sann Abt Johann darüber
nach, wie er die Widerspenstigen Bauern bestrafen könnte.
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Als
sich die Schwyzer an einem Sonntagmorgen zum
Gottesdienst begeben wollten, war die Kirche in Schwyz
verriegelt. Auch die Glocken, die sonst feierlich über
das Ländchen hin zur Messe riefen, blieben an diesem
Morgen stumm. Da wussten die Leute, dass etwas
Schlimmes geschehen war. Der Priester, ein guter,
milder Mann, verkündete seinen Leuten, was sich
ereignet hatte. Mit schwerem Herzen trat er vor die
versammelte Menge hin, und mit ernsten Worten klärte
er sie auf : "Ihr habt den Herrn des Klosters erzürnt.
Nun hat er euch beim Erzbischof von Konstanz verklagt
und bei ihm Hilfe gefunden. Dieser hat euch aus der
Kirche ausgestossen und uns Priestern des Ländchens
Schwyz verboten, die Gotteshäuser zur Messe zu öffnen.
Hart ist die Strafe, die euch der Herr auferlegt hat.
Die Kirchentüren bleiben verschlossen für alle, auch
für die unschuldigen Kinder, die getauft werden
sollten, für die Toten, die ihre letzte Ruhe hier auf
dem Gottesacker finden möchten und auch für die
jungen Brautleute, die sich in der Kirche den Segen
holen wollen."
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Der
Pfarrer verrichtete vor dem Gotteshause ein inniges
Gebet für den Frieden. Viele Männer aber liefen weg
und schimpften über den Abt, den Kaiser und den
Bischof.
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Zur
festgelegten Stunde waren alle Männer von Schwyz auf
dem Landgemeindeplatz unter freiem Himmel versammelt.
Sie hatten sich in einem weiten Ring aufgestellt. Auf
einer erhöhten Plattform nahm Landammann Werner
Staufacher seinen Platz ein. Die Männer von Schwyz
verehrten und liebten ihn, denn er besass neben einem
klugen Kopf ein warmes Herz und fürchtete sich weder
vor dem Abte noch vor dem Kaiser und dem Bischofe.
Stauffacher liebte sein Ländchen und die Freiheit am
allermeisten. Wehe dem, der sie rauben wollte ! Da
konnte der Landammann furchtbar hart werden.
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Nun
erhob er sich und begann mit lauter Stimme zu sprechen
: "Meine lieben Landsleute von Schwyz ! Seit
Wochen haben wir die vertrauten Stimmen unserer
Glocken nicht mehr gehört. Die Kirchentüren bleiben
uns weiterhin verschlossen, auch am Sonntag, den wir
und unsere Väter immer geheiligt haben. Verbrechern
gleich hat uns der Konstanzer Bischof aus der Kirche
verstossen. Dazu hat uns Kaiser Friedrich, der ländergierige
Habsburger, alle Ehren und Rechte genommen und uns mit
der Reichsacht belegt. Wir gelten nichts mehr im
deutschen Reich. Verachtet und geschmäht sind wir.
Jeder von euch, ihr Männer, kann wie ein Hase getötet
werden. Kein Reichsgericht wird ihm helfen, solange
wir in der Reichsacht stehen. Morgen schon kann
Leopold III. kommen und wie ein Wolf in unser Land
einfallen. Er ist ja der Bruder des deutschen Kaisers.
Wenn wir uns nicht selber helfen, sind wir
verloren."
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Nach
diesen Worten gab der Landammann bekannt, was er mit
seinen Männern zu beraten gedachte:
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"1.
Der Abt hat uns schwere Schmach angetan. Wir wollen
uns rächen.
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| 2.
Ludwig der Bayer, König von Gottes Gnaden, ist unser
Freund und ein Feind des Habsburger Kaiser Friedrich.
Er wird uns von der Reichsacht befreien. Der
Erzbischof von Mainz ist sein Freund. Er könnte auch
unsere Kirche wieder öffnen. |
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3.
Wir wollen unsere Grenzen befestigen. Die Zugänge in
unser Ländchen bei Arth und Brunnen müssen versperrt
werden, denn auf dem See könnte der Feind an unser
Land heranrücken. Die Wälder an unsern Grenzen dürfen
nicht mehr gerodet werden. Sie bieten uns Schutz, wenn
der Krieg ausbrechen sollte. Wer trotzdem im Bannwald
Bäume schlägt, soll mit vier Pfund Silber bestraft
werden.
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4.
Der Bauer vom Bühlhof hat seinem Nachbarn den Stall
in Brand gesteckt, er soll aus dem Ländchen verbannt
werden."
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Nun
begannen die Männer zu beraten. Die einen waren mit
den Vorschlägen des Landammanns einverstanden, andere
nicht. Die Rache am Kloster Einsiedeln gab sehr viel
zu reden. Ein frommer Bauer wollte nichts wissen von
einem Streit mit den wehrlosen Mönchen. Er fürchtete
eine Strafe Gottes.
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Der
Landammann lies abstimmen. Die meisten Bauern wollten
unbarmherzig abrechnen mit dem Abte, und sie stimmten
mit erhobenen Händen zu, als der Landammann fragte,
ob man sich am Kloster rächen wollte. Die Bitte an König
Ludwig wurde verschoben. Die übrigen Vorschläge des
Landammanns erhielten die Mehrheit an Stimmen und
waren somit angenommen.
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| Der
Rachezug gegen das Kloster Einsiedeln |
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Es
war in der eiskalten Dreikönigsnacht vom 6. auf den
7. Januar 1314. Landammann Werner Stauffacher führte
sein Kriegsvolk in drei Kolonnen nach Einsiedeln. Um
Mitternacht war das stille Kloster völlig umzingelt.
Plötzlich brach der Sturm los. Die wilden Schwyzer
wuchteten die Türen auf und drangen ins Kloster ein.
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Der
Schulmeister von Radegg, ein Klosterbruder, berichtet
uns über diese furchtbare Nacht:
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"Der
Turmwächter schlug an die Glocken. Erschrocken
standen wir auf. Wir zitterten an allen Gliedern, und
keiner fand den Rock und die Gewänder. Eilends
verliessen wir die Kammern, Schlafzimmer und Zellen.
Dann flüchteten wir zuerst ins Innere des Klosters,
weil wir fürchteten, getötet zu werden. Jeder
rannte, um sein Leben zu retten. Der Mond schimmerte
und zündete in unsere Verstecke. Da stiegen wir in
den starken Turm, wo die Glocken hingen, und glaubten
uns hier sicher. Unterdessen stürmten mehrere starke
Kriegstruppen herbei wie Wölfe, die in den Schafstall
einbrechen. Krachen und Getöse ! Die verruchten Männer
öffneten Kisten und Schränke, durchsuchten unsere Bücher
und Kleider. Die Betten nahmen sie weg und alles, was
sie gebrauchen konnten. Mit grossen Äxten und Beilen
zerschlugen sie die Türe zur Kapelle. Hierauf
schleppten sie Vorhänge, Teppiche und Messgewänder
weg. Sie stahlen goldene Kelche, die Leuchter und das
Rauchfass. Jetzt drang das Volk, das gottlose, mit
brennenden Fakeln in den Turm, wohin wir uns geflüchtet
hatten. Kalter Angstschweiss rann uns über die
Stirne. Unsere Herzen seufzten, die Beine zitterten,
unsere Glieder bebten. Wir bereiteten uns auf den Tod
vor, denn wir erwarteten keine Gnade von den wilden
Knechten. Sie trieben uns die Stiege hinunter in den
Hof hinaus.
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Die
Sonne stieg auf, als der Landammann uns auf den Weg
befahl. Die erste Schar der Knechte führte unser
liebes Vieh weg, die zweite die gefangenen Knechte des
Klosters, und die dritte trieb uns, die Mönche und Brüder,
vom Heiligtum weg, Schwyz zu.
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Das
Volk von Schwyz, Knaben und Mädchen, Frauen und Männer,
lief herzu, gaffte uns an und trieb bösen Scherz mit
uns. Nur ein einziger frommer Schwyzer empfand Mitleid
mit uns und prophezeite: "Diesen schrecklichen
Tag wird uns Gott vergelten. wir und unsere Kinder
werden Böses erleben, weil wir gottgeweihte Männer
überfallen und die Wohnung Gottes geschändet
haben."
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Am
zehnten Tage rief der Landammann das ganze Volk des
Tales zusammen. Der Graf von Toggenburg und andere fürstliche
Herren hatten ihn gebeten, uns wieder freizulassen. Am
nächsten Morgen fielen unsere Fesseln, und wir
kehrten zu unserem Herrn und Abt Johannes zurück, der
in der Not der Dreikönigsnacht in den Turm nach Pfäffikon
geflohen war."
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Weil
die Urner und Nidwaldner mit den Schwyzern verbündet
waren, liess der Bischof von Konstanz auch ihre
Kirchen schliessen. Die ehrwürdigen Amtsleute aus den
Waldstätten versammelten sich in Stans und baten
Kaiser Ludwig um Hilfe gegen den Bischof und den
Habsburger Friedrich den Schönen.
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| Ein
Mann, der den Frieden sucht |
| Es
war im Sommer 1315. Der Österreicher Herzog Leopold sass in
seiner Arbeitsstube auf der Burg in Zug. |
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Ein
Diener klopfte an die Türe, trat ein, verneigte sich
vor seinem Herrn und meldete: "Der hochgeborene
Herr und Graf Friedrich von Toggenburg wünscht Euch
zu sprechen."
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"Er
sei in Freude willkommen !"
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Bei
diesen Worten gab Leopold dem Diener das Zeichen zum
Gehen. Friedrich trat ein. Er war ein stattlicher
Mann, gross und würdig von Gestalt. Auf seinem
Gesicht lagen Züge, die mehr auf Güte als auf
Kriegslist und Rache hindeuteten.
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Herzog
Leopold trat auf ihn zu und reichte ihm die Hand zum
Gruss:"Willkommen, mein Freund ! Welch glückliches
Geschick, dass Ihr heute zu mir kommt !" Er
lachte voll Übermut und wies mit der Hand auf sein
blankes Prunkschwert, das in der hellen Mittagssonne
aufblitzte. "Freund, seht, die Sonne scheint uns
zum Siege ! Wir werden den Kuhmelkern in Schwyz einen
sauren Winter bereiten. Es ist alles vorbereitet; die
Edelherren der Grafschaften Kyburg und Baden haben mir
ihre Hilfe mit vielen hundert Mannen und Rossen
versprochen."
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Dann
zeigte er dem Grafen seinen Kriegsplan und erklärte
ihm, wie er ins Ländchen Schwyz einzudringen gedenke.
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"Erlauchter
Herr", wagte Friedrich einzuwenden, "ich
bringe Euch gute Botschaft von Schwyz und den Ländern
am See ! Ihr seid ein mächtiger Fürst. Die Bauern fürchten
sich vor einem Krieg gegen Eure Macht. Sie schicken
mich, Euch zu sagen, sie wollen untertänig und
gehorsam sein und die Abgaben in Treue leisten. Es
soll kein Blut fliessen."
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Bei
diesen Worten verfinsterte sich die Miene des Herzogs,
und in wildem Zorn schrie er: "Seid Ihr schwach
bei Sinnen, Graf, wollt Ihr mein Verräter werden ?
Wie kommt Ihr dazu, diesen verruchten Bauern Glauben
zu schenken ? Habt Ihr keine Augen und keine Ohren,
Friedrich, dass Ihr nicht merkt, was die Bauern im
Schilde führen ? Das ganze Land versperren sie mit
meterhohen Mauern und Türmen. In Stansstad
schleuderten sie einen Mühlstein aus einem Wachtturm
und versenkten damit das grösste Kriegsschiff unserer
Luzerner Freunde. Sogar die Stadt Luzern haben die
frechen Hunde angegriffen. Das Kloster Einsiedeln ist
zuschanden gerichtet. Und die Schmach, die sie dem
hochwürdigen Abte angetan, habt Ihr das alles
vergessen, Graf ? Nein, ich will jetzt keinen Frieden.
Im Staube sollen die Bauern vor mir kriechen. Krieg
will ich und keinen faulen Frieden ! Im November
werden wir ziehen. Hat mich der Graf wohl verstanden ?
Hat Er sonst noch was zu melden ?"
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Friedrich
wusste, dass er nichts mehr auszurichten vermochte.
Jedes weitere Wort hätte den Herzog noch mehr erbost.
Leopold wollte den Krieg. Seinem Befehle musste er
gehorchen. Traurig verabschiedete er sich von seinem
erzürnten Herrn.
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Als
die Eidgenossen vernahmen, dass Herzog Leopold den
Krieg gegen sie führen wolle, antworteten sie ihm:
"Wir haben den österreichischen Fürsten kein
Leid angetan. Sie und ihre Väter haben oft grausame Vögte
in unsere Länder geschickt. Diese haben schreckliche
Greueltaten vollbracht, so dass wir uns selber wehren
mussten. Wünscht der Herzog unbedingt den Krieg mit
uns, so soll er kommen. Wir erwarten ihn und seine
ganze Heermacht, und wir werden uns verteidigen, so
gut wir es vermögen."
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Diese
mutigen Worte erzürnten den starken Fürsten. Er
begab sich auf die Burg in Baden und hielt dort mit
seinen treuen Edelherren Kriegsrat. Mit fester Stille
gab er den versammelten Rittern seinen Plan bekannt:
"Wir werden die Bauern von drei Seiten her in die
Zange nehmen. Graf Otto von Strassberg wird mit
viertausend Mann vom Brünig her die Grenze
Unterwaldens überschreiten. Ein paar tausend Mann
nehmen den Weg über Willisau, Wolhusen, Rothenburg
und fallen von Luzern her in den eidgenössischen
Fuchsbau ein. Ich werde mit meinen Leuten über Zug,
dem Ägerisee entlang, geradewegs nach Schwyz
vorstossen. Die Reiterei von Habsburg, Lenzburg,
Kyburg, die Krieger von Zug, Zürich und Einsiedeln
stehen unter meinem Befehl und besammeln sich in
Baden. Sollte es uns nicht gelingen, die Schwyzer zu
besiegen, schicke ich vom Morgarten aus dem Grafen
Otto von Strassberg einen umgestülpten Handschuh
entgegen. Er soll das Zeichen zum Rückzug sein."
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Hierauf
wandte sich der Herzog an den Sterngucker. Dieser
sollte in den Sternen lesen, welcher Tag für die
Schlacht am günstigsten sei. Herzog Leopold glaubte nämlich,
sein Siegesglück stehe in den Sternen geschrieben und
könne von Himmelskundigen abgelesen werden.
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Der
Sternforscher prophezeite: "Auf den Tag vor St.
Otmar, den 15. November, sehe ich gutes Glück."
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Es
war der Tag, an dem Leopold sein Namensfest feierte.
In einer Ecke des Saales kicherte ein kleines,
buckliges Männchen. Es trug eine Narrenkappe mit fünf
Zipfeln, an denen kleine Schellen rasselten. Der
kleine Hanswurst, Cuno von Stoffeln, wirbelte in
seiner buntgestreiften Kleidung plötzlich mit
lustigen Luftsprüngen durch den Saal und stellte sich
keck vor den Herzog hin. Dieser fragte das Närrchen:
"Was meinst du zu meinem Plan ? Die Bauern werden
unter unsern Schwertstreichen untergehen, nicht wahr
?"
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"Euer
Plan gefällt mir nicht recht, mein Herr",
antwortete der drollige Spassmacher, "Ihr habt
alle beraten, wie ihr in die Länder einbrechen wollt,
aber keiner überlegt sich, wie er wieder hinaus will.
Schon mancher eifrige Jagdhund ist in den Dachsbau
geschlüpft und hat den Weg aus ihm zurück nicht mehr
gefunden."
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| "Das
lass meine Sorge sein, guter Narr !" Mit diesen
Worten schloss der Herzog den Kriegsrat. |
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Die
Schwyzer arbeiteten mit Fieberfleiss an ihren festen
Mauern, um den Österreichern die Zugänge in ihr Ländchen
zu versperren. Väter und Söhne liessen im Feld und
Hof die Arbeit ruhen und liefen hinaus an die Grenzen,
wo sie die trutzigen Sperren errichteten. Vom frühen
Morgen bis zum späten Abend widerhallte es an den
steilen Hängen von den gewaltigen Axthieben, unter
denen die Bäume krachend zu Boden stürzten. Ruck um
Ruck wurden die wuchtigen Stämme in stundenlanger, mühsamer
Arbeit zu den Engpässen geschoben und zusammen mit
zentnerschweren Steinen zu starken Mauern aufgebaut.
In mancher mondhellen Nacht rückten neue Männer an,
um die ermüdeten abzulösen und sich mit ausgeruhter
Kraft ans harte Werk zu machen. So wuchsen die Mauern
Baumlänge um Baumlänge an den gefährlichen
Grenzstellen entlang, bis alle Taleingänge völlig
abgeriegelt waren.
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Dann
hielten die Schwyzer Tag und Nacht durch Wachsoldaten
die Grenzen besetzt. An den Zugängen stellten sie
besonders starke Wachen auf. In langen Prozessionen
zogen fromme Pilgersleute durch die Strassen und
erflehten Gottes Schutz für die kommenden bösen
Tage. Die eidgenössischen Ratsherren baten ihre Verbündeten
um Hilfe gegen den mächtigen Feind. Da sandte Uri und
Unterwalden ein paar hundert Mann. So gab es mit denen
von Schwyz zusammen ungefähr 1300 Krieger, die sich
im Hauptflecken zum Auszug in die Schlacht
vereinigten.
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Der
Schwyzer Landammann trat vor die versammelten Alpensöhne
hin und richtete ernste Worte an sie: "Ihr seid
nur ein paar hundert Mann, die ihr Tausenden von österreichischen
Rittern entgegenzieht. Trennt euch deshalb nicht, ihr
würdet eure Kräfte zersplittern ! Sparet sie bis zum
richtigen Augenblick, dann geht unerschrocken dem
Feind entgegen und in den Tod, wenn es sein muss !
Leopold wird von Zug her nicht über Arth in unser
Land hereinbrechen. Für ihn ist dieser Weg zu lang, für
sein Heer zu gefährlich. Wohl aber wird er durch das
Tal am Ägerisee vordringen. Ihr kennt die Höhe von
Morgarten. Von dieser aus lässt sich der Feind am
besten bekämpfen. Erschreckt ihn, fallt ihm in die
Seite, trennt sein Heer, und ihr werdet siegen, so
Gott will !"
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Der
Landammann schwieg. Die Landsleute aber knieten nieder
und flehten Gott um seinen Beistand an. In der Nacht
eilten sie hinaus zum Sattel am Morgarten und begannen
Baumstämme und Steine für den Überfall
bereitzulegen.
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| Eines
Nachts ritt Graf Heinrich von Hünenberg bei Arth ganz nahe an
die Letzimauer heran und schoss einen Pfeil, an dem ein
Pergament befestigt war, auf die eidgenössische Seite hinüber.
Auf diesem stand geschrieben :" Hütet
euch auf St. Otmar am Morgarten !" |
| Als
fünfzig verbannte Männer, zum Teil Verbrecher und
Brandstifter, die Not ihrer Leute daheim vernahmen, brachen
sie auf und schlichen auf heimlichen Wegen ins Lächen Schwyz
zurück. In der Nacht vor dem angekündigten Tag
durchstreiften sie die Wälder am Morgarten, bis sie plötzlich
von einem Wachtposten überrascht und angehalten wurden. Der
Soldat führte die Verbannten zum Landammann, dem sie die
Bitte vortrugen: "Wir möchten mitkämpfen und das Recht
auf unsere Heimat wieder erwerben." Der Landammann blieb
hart und wies die Heimatlosen ab:" An euren Händen klebt
Mörderblut, ihr seid nicht würdig, unter unserm Fahnentuch
mit dem Zeichen des Gekreuzigten zu kämpfen." Murrend
verliessen die Verstossenen den Wald, doch heimlich besetzten
sie die Höhen der Finsternfluh und trugen Baumstämme und
Felsblöcke zusammen. |
| "Die
Österreicher rücken an !" |
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Wie
ein Lauffeuer jagte diese Meldung durch die eidgenössischen
Reihen. Gleich lauernden Wildkatzen hockten die Männer
in den Wäldern am Morgarten hinter den Steinen und in
den Gebüschen. Drunten am See wuchs der feindliche
Heereszug wie eine Riesenschlange aus dem Morgendunst.
Hunderte von stolzen Rittern hoch zu Ross und Tausende
von Männern zu Fuss näherten sich der Letzimauer,
welche das Tal verschloss. Stauffacher erhob sich und
starrte hinunter zum See, über dem ein paar
Nebelfetzen wie Leichentücher hingen, bereitgelegt für
den grossen Tod der Österreicher. Die Burschen in
ihren Verstecken waren kaum mehr zu halten.
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"Nur
Geduld, sie laufen uns in die Falle", flüsterte
ein eidgenössischer Truppenführer einem jungen
Burschen ins Ohr, der sich vom boden erhoben hatte und
in tollem Übermut seine Keule schwang.
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Jetzt
hornte es - das Zeichen zum Angriff ! Das Signal
sprang von Hang zu Hang, über Figlenfluh hinüber zur
Finsternfluh. Da strafften sich die Muskeln der Männer
im hinterhalt, Hebeeisen klirrten, Stämme rollten,
Felsblöcke polterten den Hang hinunter und schlugen
dumpf mitten in die österreichischen Heerhaufen
hinein. Wie vom Blitz getroffen, stockte der
Kriegszug. Die Rosse bäumten sich auf, rissen aus,
wollten durchbrennen, vorwärts, rückwärts und seitwärts
in die Fluten des Sees. Da drangen aus den Wäldern
die Schwyzer brüllend hervor und schlugen mit ihren
kurzen Waffen furchtbar zu. Sie hieben, stachen mit mörderischer
Gier und zerschlugen ohne Gnaden Ritter, Ruhm und
Ehre. Die Ritter in ihrer furchtbaren Bedrängnis
versuchten sich mit Speer und Schild zu wehren.
Verzweifelt schlugen sie um sich.
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Aber
die stämmigen Bauern kämpften sich Schritt für
Schritt an Mann und Ross heran und hieben alles
nieder, was unter ihre scharfen Äxte kam.
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So
fiel der grosse Teil der Österreicher unter den
gewaltigen Schlägen der Schwyzer. Es sanken in den
Tod die Nachkommen Gesslers, der verruchte Landenberg,
die fünfzig Zürcher, die man an ihren blauweissen
Hemden erkannte. Tot oder halb zerschlagen hingen die
Reiter in den Steigbügeln ihrer ungezügelten Rosse,
stürzten zu Boden oder wurden von den jagenden Tieren
hinter sich her geschleift. Wildes Rufen, Klirren und
Pferdegewieher übertönten das Röcheln und Stöhnen
der gefallenen Krieger. Die Urner und Schwyzer drangen
über Leichen hinweg weiter vor in neue Reihen hinein,
wo sie stumm und verbissen weiterkämpften.
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Der
Bruder des Landammanns kämpfte sich mit drei
Hundertschaften gegen die Strassensperre hinunter. Fünf
beastete Tannen und ein Steinwall versperrten jetzt
den zurückweichenden Österreichern den Rückzug. In
wilden Knäueln lagen die Unglücklichen übereinander,
in Staub und Blut geworfen. Der furchtbare Schrecken
drang nach rückwärts zum Fussvolk, das noch am See
stehengeblieben war. Als dieses begriffen hatte, dass
die stolzen Ritter geschlagen waren, machte es kehrt
und wandte sich zur Flucht. In wilder Hast verfolgten
die siegreichen Eidgenossen die Flüchtenden. Es war
ein Rennen um Leben und Tod gegen Zug hin.
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Unter
den Toten lagen viele Grafen und edle Ritter. Auch
Graf Friedrich von Toggenburg blieb tot auf dem Felde
liegen. Im Kriege, den er nie gewollt hatte, war er
umgekommen.
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In
tiefer Trauer ritt Herzog Leopold in Winterthur ein.
Wie durch ein Wunder war er dem sicheren Tode
entronnen.
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| Otto
von Strassberg war an demselben Tag mit seinem Heere von
viertausend Mann über den Brünig in Unterwalden eingefallen
und von Lungern nach Sachseln und Alpnach gezogen. Die
Unterwaldner riefen eiligst ihre dreihundert Mann vom
Morgarthen zurück. Sie kamen, und mit ihnen hundert Krieger
von Schwyz. Die Urner konnte man kaum mehr zurückhalten.
Diese fuhren von Brunnen nach Buochs und schlugen die Luzerner
in die Flucht oder in den See. Da merkte Otto von Strassberg,
dass Leopold besiegt worden war, und er gab den Befehl zum Rückzug.
Das Heer bewegte sich über die Rengg der Stadt Luzern zu, von
wo aus sich Ritter und Fusssoldaten nach Hause begaben. |
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